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01.06.2026
Wie riecht ein Dachboden oder was macht dich high?
Mit einem übernatürlichen Geruchssinn ausgestattet, begeben sich Marta Navaridas und Alex Deutinger in ihrer Performance „Unsmell“ auf eine Art Expedition, auf der sie sich auf die Kraft von Gerüchen einlassen, ja, sich diesen hingeben. Im Rahmen des Dramatiker|innenfestivals dient der Dachboden des Kulturzentrums bei den Minoriten als unberührter Raum, der zum Assoziieren und der Auseinandersetzung mit den eigenen Geruchserfahrungen anregt.
Aus der hintersten Ecke des großen Raumes schnüffeln sich die beiden Performer:innen langsam nach vorne, folgen unsichtbaren Spuren und erwecken dabei vergessene, unterdrückte Erinnerungen und Gefühle. Uniformiert und mit Taschenlampen ausgestattet entsteht sofort das Bild einer Inspektion – einer Geruchsinspektion. Sich zwischen zeitgenössischem Tanz und experimentellem Theater bewegend verlassen Navaridas und Deutinger zum Teil die menschliche Körperlichkeit und finden sich einmal in „spürhundartigem“ Verhalten, dann in jugendlicher Manier wieder. Diese Fluktuation ermöglicht es, die Vielschichtigkeit von Gerüchen zu reflektieren, die als unsichtbare Träger und Trigger von Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen selten bewusst sind, dafür aber plötzlich und unerwartet auftauchen. Das Soundbett von Manuel Riegler unterstreicht die Erforschung der Geruchsebenen, die von der eigenen Großmutter über den eigenen Körpergeruch bis hin zu sexuellem Verlangen reichen
Bis das Performance-Duo die kleine Bühnenfläche betritt, dauert es eine Weile. Dann aber kreuzt der Geruch des Publikums ihre Fährte und wird Teil des Geruchserlebnisses der beiden Hypernasen. „I’m smelling…“ – und dann ist niemand mehr sicher. Abgestoßen und angezogen zugleich nähern sie sich einzelnen Personen, nehmen Blickkontakt auf und schnüffeln, ja schlecken sogar sanft an einer Hand. Eine Ernsthaftigkeit, die doch an gewissem Witz nicht spart, macht es möglich, sich auf die Spielart der Performer:innen und auch auf den eigenen Instinkt einzulassen. Sich zwischen den Gerüchen des Publikums und den evozierten Erinnerungen bewegend, kommen schließlich zwei Leitern zum Einsatz, die den beiden das Riechen am darüberliegenden Balken ermöglicht. Als würden sie in den Paradiesapfel beißen: Sie riechen und riechen, werden süchtig nach Gerüchen, suchen nach etwas, das auf Dauer glücklich macht. „Wenn man ganz ganz lange dran riecht, wird man ganz ganz glücklich.“ Sie riechen sich ins Delirium. Abwechselnd werden Empfindungen von Ekel, Scham, Lust und Erfüllung geweckt, die aber nie zu lange im Raum stehen und so eine ausgesprochen gute Balance kreieren
Collageartig und doch stimmig in der Dramaturgie erleben Navaridas und Deutinger mit dem Publikum die Welt des Geruchs in einer äußerst konzentrierten Form. Allein die Benennung eines bestimmten Geruchs evoziert eine Erinnerung, ein Gefühl. Keine der anwesenden Personen empfindet dieselben und doch findet eine kollektive Erfahrung statt, die es ermöglicht, sich individuell und gemeinsam mit der Multiebene Geruch auseinanderzusetzen.
Annalena Santin
(c) Bild: Kuro.Simon
Aus der hintersten Ecke des großen Raumes schnüffeln sich die beiden Performer:innen langsam nach vorne, folgen unsichtbaren Spuren und erwecken dabei vergessene, unterdrückte Erinnerungen und Gefühle. Uniformiert und mit Taschenlampen ausgestattet entsteht sofort das Bild einer Inspektion – einer Geruchsinspektion. Sich zwischen zeitgenössischem Tanz und experimentellem Theater bewegend verlassen Navaridas und Deutinger zum Teil die menschliche Körperlichkeit und finden sich einmal in „spürhundartigem“ Verhalten, dann in jugendlicher Manier wieder. Diese Fluktuation ermöglicht es, die Vielschichtigkeit von Gerüchen zu reflektieren, die als unsichtbare Träger und Trigger von Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen selten bewusst sind, dafür aber plötzlich und unerwartet auftauchen. Das Soundbett von Manuel Riegler unterstreicht die Erforschung der Geruchsebenen, die von der eigenen Großmutter über den eigenen Körpergeruch bis hin zu sexuellem Verlangen reichen
Bis das Performance-Duo die kleine Bühnenfläche betritt, dauert es eine Weile. Dann aber kreuzt der Geruch des Publikums ihre Fährte und wird Teil des Geruchserlebnisses der beiden Hypernasen. „I’m smelling…“ – und dann ist niemand mehr sicher. Abgestoßen und angezogen zugleich nähern sie sich einzelnen Personen, nehmen Blickkontakt auf und schnüffeln, ja schlecken sogar sanft an einer Hand. Eine Ernsthaftigkeit, die doch an gewissem Witz nicht spart, macht es möglich, sich auf die Spielart der Performer:innen und auch auf den eigenen Instinkt einzulassen. Sich zwischen den Gerüchen des Publikums und den evozierten Erinnerungen bewegend, kommen schließlich zwei Leitern zum Einsatz, die den beiden das Riechen am darüberliegenden Balken ermöglicht. Als würden sie in den Paradiesapfel beißen: Sie riechen und riechen, werden süchtig nach Gerüchen, suchen nach etwas, das auf Dauer glücklich macht. „Wenn man ganz ganz lange dran riecht, wird man ganz ganz glücklich.“ Sie riechen sich ins Delirium. Abwechselnd werden Empfindungen von Ekel, Scham, Lust und Erfüllung geweckt, die aber nie zu lange im Raum stehen und so eine ausgesprochen gute Balance kreieren
Collageartig und doch stimmig in der Dramaturgie erleben Navaridas und Deutinger mit dem Publikum die Welt des Geruchs in einer äußerst konzentrierten Form. Allein die Benennung eines bestimmten Geruchs evoziert eine Erinnerung, ein Gefühl. Keine der anwesenden Personen empfindet dieselben und doch findet eine kollektive Erfahrung statt, die es ermöglicht, sich individuell und gemeinsam mit der Multiebene Geruch auseinanderzusetzen.
Annalena Santin
(c) Bild: Kuro.Simon
31.05.2026
Wenn Menschen zu Mäusen werden
Was passiert mit einer Gesellschaft, die von Kriegen zerrüttet, kulturell zerstreut und ohne geordnete Führung von illegalen Bauten durch opportunistische Bauträger und mafiösen Vereinigungen erschlagen wird? Dieser Frage widmet sich das auf realen Gegebenheiten basierende Stück „Prishtina. The Premeditated Killing of a Dream“ von Jeton Neziraj, das beim diesjährigen Dramatiker|innenfestival in Graz im Orpheum aufgeführt wurde.
Vorsicht! Hier könnte der eigene Horizont erweitert werden. Im Mittelpunkt steht in dem gänzlich auf albanischer Sprache gespielten – mit englischen Untertiteln versehenen – Stückder Architekt Rexhep Luci, der unermüdlich seiner Vision einer modernen Stadtplanung für die kosovarische Hauptstadt Prishtina nacheifert, die in erster Linie der Bevölkerung dienen soll und nicht den gierigen Geschäftsmännern und internationalen Investoren.
In der emotional aufgeladenen Handlung schafft es Regisseur Blerta Neziraj, (auch der albanischen Sprache nicht mächtigen Zuschauern) ein schauriges Bild der Zustände des Kosovos der frühen 2000er-Jahre zu vermitteln. Durch minimales Bühnenbild inklusive originellem Einsatz von Smart Glasses wird das Publikum mitgerissen in eine Geschichte von zerschmetterten Träumen, Geldgier, Korruption und trauriger Volksnostalgie – porträtiert durch die gescheiterte Infrastruktur einer mit sich selbst ringenden Stadt, in der Menschen zu Mäusen werden. Die Sprache, die Hauptdarsteller Adrian Morina mit uns spricht, ist eine universeller Natur, geprägt von Verzweiflung, Mut und Kampfgeist, die Sprachbarriere bleibt Formalität. Die enorme Gewalt, die dieses Thema für sich beansprucht, wird auch auf der Bühne klar. Es wird laut, es wird brutal, es wird herzzerreißend und dann wird es wieder ganz still und mit Nachdruck sieht man auf den Leinwänden die illustren Bilder der in vielerlei Hinsicht gescheiterten Stadt.
Dazu wird in wiederkehrenden Abständen die Geschichte kurz unterbrochen und die Darsteller erzählen von der Realität in Prishtina. Sie stehen geschlossen vor dem Publikum und symbolisieren Solidarität. Jene Solidarität, die damals notwendig gewesen wäre und die wir heute genauso brauchen. Am Ende kommt der Zuschauer in den Genuss einer gleichwohl wunderschön sowie schaurigen Ballade der fünf Schauspieler zusammen, die tief unter die Haut geht und einen krönenden Abschluss für ein Theatererlebnis bietet, das niemanden kalt lässt.
Letztendlich ist „Prishtina. The Premeditated Killing of a Dream“ ein herrlich kurzweiliges, aber intensiv aufregendes Stück, das Lust auf mehr historische Dramen macht. Durch den pointierten Humor, der genau an den richtigen Stellen zum Vorschein kommt, darf man aber trotzdem das Taschentuch gern zuhause lassen. Stattdessen steigt man in den Reisebus nach Prishtina ein und lässt sich von den überragenden Schauspielern das Schicksal von Rexhep Luci und der Stadt, die er so unbedingt retten wollte, näher bringen..
Peter Reininghaus
(c) Bild: Kuro.Simon
Vorsicht! Hier könnte der eigene Horizont erweitert werden. Im Mittelpunkt steht in dem gänzlich auf albanischer Sprache gespielten – mit englischen Untertiteln versehenen – Stückder Architekt Rexhep Luci, der unermüdlich seiner Vision einer modernen Stadtplanung für die kosovarische Hauptstadt Prishtina nacheifert, die in erster Linie der Bevölkerung dienen soll und nicht den gierigen Geschäftsmännern und internationalen Investoren.
In der emotional aufgeladenen Handlung schafft es Regisseur Blerta Neziraj, (auch der albanischen Sprache nicht mächtigen Zuschauern) ein schauriges Bild der Zustände des Kosovos der frühen 2000er-Jahre zu vermitteln. Durch minimales Bühnenbild inklusive originellem Einsatz von Smart Glasses wird das Publikum mitgerissen in eine Geschichte von zerschmetterten Träumen, Geldgier, Korruption und trauriger Volksnostalgie – porträtiert durch die gescheiterte Infrastruktur einer mit sich selbst ringenden Stadt, in der Menschen zu Mäusen werden. Die Sprache, die Hauptdarsteller Adrian Morina mit uns spricht, ist eine universeller Natur, geprägt von Verzweiflung, Mut und Kampfgeist, die Sprachbarriere bleibt Formalität. Die enorme Gewalt, die dieses Thema für sich beansprucht, wird auch auf der Bühne klar. Es wird laut, es wird brutal, es wird herzzerreißend und dann wird es wieder ganz still und mit Nachdruck sieht man auf den Leinwänden die illustren Bilder der in vielerlei Hinsicht gescheiterten Stadt.
Dazu wird in wiederkehrenden Abständen die Geschichte kurz unterbrochen und die Darsteller erzählen von der Realität in Prishtina. Sie stehen geschlossen vor dem Publikum und symbolisieren Solidarität. Jene Solidarität, die damals notwendig gewesen wäre und die wir heute genauso brauchen. Am Ende kommt der Zuschauer in den Genuss einer gleichwohl wunderschön sowie schaurigen Ballade der fünf Schauspieler zusammen, die tief unter die Haut geht und einen krönenden Abschluss für ein Theatererlebnis bietet, das niemanden kalt lässt.
Letztendlich ist „Prishtina. The Premeditated Killing of a Dream“ ein herrlich kurzweiliges, aber intensiv aufregendes Stück, das Lust auf mehr historische Dramen macht. Durch den pointierten Humor, der genau an den richtigen Stellen zum Vorschein kommt, darf man aber trotzdem das Taschentuch gern zuhause lassen. Stattdessen steigt man in den Reisebus nach Prishtina ein und lässt sich von den überragenden Schauspielern das Schicksal von Rexhep Luci und der Stadt, die er so unbedingt retten wollte, näher bringen..
Peter Reininghaus
(c) Bild: Kuro.Simon
30.05.2026
Um zu leben, muss etwas sterben
Judit denkt zu viel. Judit hat Ideale. Judit möchte gefallen. Sie stellt ihr Leben auf den Kopf und wird dabei konfrontiert mit all ihren Entbehrungen. Femke Van der Steen schafft es in ihrem neuen Text „Judit ZKT“ provokant zu zeigen, was wir aufopfern (müssen), um zu leben – nicht immer im Einklang mit der Natur. Beim Dramatiker|innenfestival in Graz wurde er in der List-Halle aufgeführt.
In Judits (Chloë Onyinye) Kopf passiert viel - die Welt ist komplex, da sind hunderte Gedanken: Krieg, Konsum, Naturkatastrophen… in dieser Welt hat Judit den Selbstanspruch, ein erfülltes Leben zu führen, doch will sie auf ihre Mitmenschen und die Natur Acht geben. Judit: überfordert und gefangen von eigenen moralischen Dilemmata. Sie versucht Halt zu finden, in Social-Media-Kanälen und alten Bibelgeschichten.
Premiere feierte „Judit ZKT“ bereits in Leuven auf dem „Shakespeare is dead Festival“ und wurde nun nun auf demDramatiker|innenfestival 2026 in der Helmut-List-Halle in Graz gezeigt. Het nieuwstedelijk ist Teil der „Future Narratives for Planet Earth“ – einem europäischen Netzwerk von Theatern, in Zusammenarbeit, um neue Geschichten über die Beziehung zwischen Menschen und der Natur zu schaffen. Ziel des Projekts ist, die Zukunft als einen Ort voller Möglichkeiten neu zu gestalten. Van der Steen beschäftigt sich hier mit brandaktuellen Themen und schafft ein gelungenes Generationenporträt, in dem wir uns alle wiederfinden können.
Inszeniert (Regie: Christophe Aussems) wird eine dystopische, postdramatische Welt, irgendwo zwischen Psychoanalyse, altem Testament und philosophischen Fragestellungen. Überzeugend ist das Ensemble (Sara Vertongen, Mona Mina Leon & Matthias Van de Brul), das es neben Chloë Onyinye schafft, uns Judits chaotische Gedankengänge nahezubringen. Durch ihre starke Präsenz und ihr Facettenreichtum geben sie der Inszenierung eine mitreißende Lebendigkeit.
Auch die musikalische Life-Performance von Sam Gysel lässt in eine Welt voller malerisch-moderner Klänge eintauchen, die das Geschehen und verschiedenste Erzählebenen unterstreichen. Am Ende des Versuches einer Selbstfindung findet Judit sich wohl damit ab: „The world is innocent and full of contradictions“ – und das ist beruhigend, denn jeder Mensch lebt seine Widersprüche.
Annemarie Beyer
(c) Bild: Boumediene Belbachir
In Judits (Chloë Onyinye) Kopf passiert viel - die Welt ist komplex, da sind hunderte Gedanken: Krieg, Konsum, Naturkatastrophen… in dieser Welt hat Judit den Selbstanspruch, ein erfülltes Leben zu führen, doch will sie auf ihre Mitmenschen und die Natur Acht geben. Judit: überfordert und gefangen von eigenen moralischen Dilemmata. Sie versucht Halt zu finden, in Social-Media-Kanälen und alten Bibelgeschichten.
Premiere feierte „Judit ZKT“ bereits in Leuven auf dem „Shakespeare is dead Festival“ und wurde nun nun auf demDramatiker|innenfestival 2026 in der Helmut-List-Halle in Graz gezeigt. Het nieuwstedelijk ist Teil der „Future Narratives for Planet Earth“ – einem europäischen Netzwerk von Theatern, in Zusammenarbeit, um neue Geschichten über die Beziehung zwischen Menschen und der Natur zu schaffen. Ziel des Projekts ist, die Zukunft als einen Ort voller Möglichkeiten neu zu gestalten. Van der Steen beschäftigt sich hier mit brandaktuellen Themen und schafft ein gelungenes Generationenporträt, in dem wir uns alle wiederfinden können.
Inszeniert (Regie: Christophe Aussems) wird eine dystopische, postdramatische Welt, irgendwo zwischen Psychoanalyse, altem Testament und philosophischen Fragestellungen. Überzeugend ist das Ensemble (Sara Vertongen, Mona Mina Leon & Matthias Van de Brul), das es neben Chloë Onyinye schafft, uns Judits chaotische Gedankengänge nahezubringen. Durch ihre starke Präsenz und ihr Facettenreichtum geben sie der Inszenierung eine mitreißende Lebendigkeit.
Auch die musikalische Life-Performance von Sam Gysel lässt in eine Welt voller malerisch-moderner Klänge eintauchen, die das Geschehen und verschiedenste Erzählebenen unterstreichen. Am Ende des Versuches einer Selbstfindung findet Judit sich wohl damit ab: „The world is innocent and full of contradictions“ – und das ist beruhigend, denn jeder Mensch lebt seine Widersprüche.
Annemarie Beyer
(c) Bild: Boumediene Belbachir
29.05.2026
Dort, wo das Flüstern beginnt
Das Dramatikerinnenfestival lässt im Kunsthaus in Texten von Mehdi Moradpour und Natascha Gangl nach Einsamkeit und Gemeinschaft suchen.
„Der Anfang ist dort, wo in einem Flüstern die Erinnerung an eine andere Zeit lebt.“ Dieser Satz aus „Goodbye Giganten“ legt sich wie ein Echo über den Nachmittag im Kunsthaus Graz. Zwei unterschiedliche Stücke, „Goodbye Giganten“ und „Menschen im Wald“, gehen hier ineinander über, verbunden durch Stimmen, Geräusche und das Gefühl einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Stimmen hängen im Raum wie Nebel zwischen Bäumen. Geräusche flackern auf, verschwinden wieder, als würde jemand versuchen, eine Erinnerung festzuhalten, die längst zu verblassen beginnt. Für eine Stunde wurde das DramatikerInnenfestival in Graz zu einer leisen Vermessung unserer Gegenwart. Erschöpft, fragmentiert und voller Sehnsucht nach Rückzug.
„Goodbye Giganten“ von Mehdi Moradpour, szenisch inszeniert von Sandra Schüddekopf, beginnt dabei nicht auf der Bühne. Jan Walter, einziger Schauspieler und zugleich Erzähler des Stücks, sitzt zunächst mitten im Publikum und spricht mit den ZuschauerInnen, als würde die Aufführung nicht an einem bestimmten Punkt anfangen, sondern bereits zwischen den Menschen existieren. Erst langsam verschiebt sich die Aufmerksamkeit in den Raum hinein. Begleitet von den Soundinstallationen Rupert Derschmidts entsteht eine eigentümliche Einsamkeit. Immer wieder taucht Walters Stimme auf, wiederholt, zerlegt, technisch verfremdet. Sie verfolgt sich selbst wie ein Gedanke, der nicht mehr verstummen kann. Walter erscheint dabei weniger wie eine Figur als wie jemand, der im eigenen Echo stehen geblieben ist. Die Sprache bewegt sich nicht geradeaus. Sie stolpert, bricht ab, beginnt neu. Gerade dadurch bekommt die Aufführung etwas sehr Gegenwärtiges, ein Gefühl permanenter Überforderung und innerer Erschöpfung.
Dann dieser Satz: „Es macht Spaß, allein und asozial zu sein.“ Trocken ausgesprochen und erschreckend nachvollziehbar. Nicht Menschenverachtung spricht daraus, sondern Müdigkeit. Der Wunsch, für einen Moment dem Dauerlärm der Welt zu entkommen. Der Titel „Goodbye Giganten“ wirkt dabei wie ein Abschied von großen gesellschaftlichen Erzählungen, Fortschritt, Kontrolle, Stärke, Normalität. Die Giganten dieser Welt scheinen müde geworden zu sein. Zurück bleiben Menschen, die versuchen, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft eine neue Sprache zu finden
Nach all den Echos und Wiederholungen ist „Menschen im Wald“, ein Text von Natascha Gangl in szenischer Einrichtung von Christoph Pauger, wie eine Antwort. SchauspielerInnen der Theaterakademie LebensGroß schaffen eine Präsenz, die jede normierte Vorstellung von Theaterkörpern aufbricht. Zwischen Bewegungen, Stimmen und Begegnungen entsteht eine Verletzlichkeit ohne Pathos, leise und unmittelbar.
Dabei entwickelt die Aufführung ihre Kraft gerade aus der Gemeinschaft heraus. Wo „Goodbye Giganten“ einen Menschen zeigt, der sich in seinem eigenen Echo verliert, entsteht bei Gangl ein kollektiver Raum aus Blicken, Gesten und Stimmen. Niemand drängt sich in den Mittelpunkt, und genau dadurch entsteht Nähe. Das Publikum beobachtet nicht bloß, sondern wird Teil einer Atmosphäre, in der Unsicherheit, Offenheit und gegenseitige Aufmerksamkeit nebeneinander existieren dürfen. Gerade darin liegt auch die Kraft des Abends, Inklusion wird hier nicht erklärt oder vorgeführt, sondern selbstverständlich. Der Wald des Titels erscheint dabei weniger als konkreter Ort als ein Zustand. Ein Raum, in dem Orientierung verschwindet und neue des Zusammenlebens möglich werden.
Auch das Kunsthaus Graz verstärkt diese Stimmung entscheidend. Die offene, kühle Architektur lässt Stimmen und Geräusche beinahe verloren wirken. Als die Stunde vorbei ist, bleibt weniger eine Geschichte zurück als ein Nachhall, als hätte man kurz am Rand eines Waldes gestanden, in dem die alten Giganten längst gefallen sind und zwischen den Bäumen nur noch leise Stimmen flüstern.
Anna Radl
(c) Bild: Kuro.Simon
„Der Anfang ist dort, wo in einem Flüstern die Erinnerung an eine andere Zeit lebt.“ Dieser Satz aus „Goodbye Giganten“ legt sich wie ein Echo über den Nachmittag im Kunsthaus Graz. Zwei unterschiedliche Stücke, „Goodbye Giganten“ und „Menschen im Wald“, gehen hier ineinander über, verbunden durch Stimmen, Geräusche und das Gefühl einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Stimmen hängen im Raum wie Nebel zwischen Bäumen. Geräusche flackern auf, verschwinden wieder, als würde jemand versuchen, eine Erinnerung festzuhalten, die längst zu verblassen beginnt. Für eine Stunde wurde das DramatikerInnenfestival in Graz zu einer leisen Vermessung unserer Gegenwart. Erschöpft, fragmentiert und voller Sehnsucht nach Rückzug.
„Goodbye Giganten“ von Mehdi Moradpour, szenisch inszeniert von Sandra Schüddekopf, beginnt dabei nicht auf der Bühne. Jan Walter, einziger Schauspieler und zugleich Erzähler des Stücks, sitzt zunächst mitten im Publikum und spricht mit den ZuschauerInnen, als würde die Aufführung nicht an einem bestimmten Punkt anfangen, sondern bereits zwischen den Menschen existieren. Erst langsam verschiebt sich die Aufmerksamkeit in den Raum hinein. Begleitet von den Soundinstallationen Rupert Derschmidts entsteht eine eigentümliche Einsamkeit. Immer wieder taucht Walters Stimme auf, wiederholt, zerlegt, technisch verfremdet. Sie verfolgt sich selbst wie ein Gedanke, der nicht mehr verstummen kann. Walter erscheint dabei weniger wie eine Figur als wie jemand, der im eigenen Echo stehen geblieben ist. Die Sprache bewegt sich nicht geradeaus. Sie stolpert, bricht ab, beginnt neu. Gerade dadurch bekommt die Aufführung etwas sehr Gegenwärtiges, ein Gefühl permanenter Überforderung und innerer Erschöpfung.
Dann dieser Satz: „Es macht Spaß, allein und asozial zu sein.“ Trocken ausgesprochen und erschreckend nachvollziehbar. Nicht Menschenverachtung spricht daraus, sondern Müdigkeit. Der Wunsch, für einen Moment dem Dauerlärm der Welt zu entkommen. Der Titel „Goodbye Giganten“ wirkt dabei wie ein Abschied von großen gesellschaftlichen Erzählungen, Fortschritt, Kontrolle, Stärke, Normalität. Die Giganten dieser Welt scheinen müde geworden zu sein. Zurück bleiben Menschen, die versuchen, zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft eine neue Sprache zu finden
Nach all den Echos und Wiederholungen ist „Menschen im Wald“, ein Text von Natascha Gangl in szenischer Einrichtung von Christoph Pauger, wie eine Antwort. SchauspielerInnen der Theaterakademie LebensGroß schaffen eine Präsenz, die jede normierte Vorstellung von Theaterkörpern aufbricht. Zwischen Bewegungen, Stimmen und Begegnungen entsteht eine Verletzlichkeit ohne Pathos, leise und unmittelbar.
Dabei entwickelt die Aufführung ihre Kraft gerade aus der Gemeinschaft heraus. Wo „Goodbye Giganten“ einen Menschen zeigt, der sich in seinem eigenen Echo verliert, entsteht bei Gangl ein kollektiver Raum aus Blicken, Gesten und Stimmen. Niemand drängt sich in den Mittelpunkt, und genau dadurch entsteht Nähe. Das Publikum beobachtet nicht bloß, sondern wird Teil einer Atmosphäre, in der Unsicherheit, Offenheit und gegenseitige Aufmerksamkeit nebeneinander existieren dürfen. Gerade darin liegt auch die Kraft des Abends, Inklusion wird hier nicht erklärt oder vorgeführt, sondern selbstverständlich. Der Wald des Titels erscheint dabei weniger als konkreter Ort als ein Zustand. Ein Raum, in dem Orientierung verschwindet und neue des Zusammenlebens möglich werden.
Auch das Kunsthaus Graz verstärkt diese Stimmung entscheidend. Die offene, kühle Architektur lässt Stimmen und Geräusche beinahe verloren wirken. Als die Stunde vorbei ist, bleibt weniger eine Geschichte zurück als ein Nachhall, als hätte man kurz am Rand eines Waldes gestanden, in dem die alten Giganten längst gefallen sind und zwischen den Bäumen nur noch leise Stimmen flüstern.
Anna Radl
(c) Bild: Kuro.Simon
29.05.2026
Sinn oder Unsinn – ist das hier die Frage?
Eingang, Zweigang, Durchgang? Ausgang! – Im irrwitzigen Sprechstück „Leichter Gesang“ von Nele Stuhler bilden das inklusive RambaZamba Theater Berlin und das Deutsche Theater Berlin eine farben-frohe „Gang“ (yes!) der sinnigen, unsinnigen und sinnlichen Wortspielereien. Dabei wird Sprache durchgekaut bis zum Pups.
Sieben Figuren warten auf den Bus – und verlieren die Beherrschung: nämlich über die Verständigung. Die deutsche Autorin Nele Stuhler, Absolventin des Lehrgangs FORUM TEXT von uniT Graz, fächert in ihrem Stück die vielen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Freuden und Komplikationen des (Miteinander-) Sprechens auf.
Lustvoll exerzieren Jens Koch, Natali Seelig und Caner Sunar vom Deutschen Theater und Franziska Kleinert, Anil Merickam, Sebastian Urbanski und Nele Winkler vom RambaZamba Theater (einem der renommiertesten Bühnen für inklusives Theater) ihre Satz- und Wortlisten durch, oft in rasendem Tempo. Bei diesen Wortkaskaden ist es hilfreich, die Sprachspiele und Assoziationsketten in der karg ausgestatteten Bühne (Anna Wohlgemuth) auf einer elektronischen Texttafel mitlesen zu können. Umso deutlicher treten die Figuren in ihren neonfarbenen Kleidern (Korbinian Schmidt), wie Leuchtstiftmarkierungen in grauen Textmengen, aus dem Bühnenbild hervor – freundlich, fröhlich, frotzelnd. Sprache darf Spaß machen … bis zum Pupsen.
Im Laufe des Stücks stürzt die Sprachakrobatik in die Sprach-Gefilde der Verdauung. Begriffe, Bedeutungen und Grammatik werden derart gründlich zerkaut, verdaut und neu zusammengesetzt „rausgeschissen“, dass man in Wortklumpen und nichtssagenden Buchstabenstrahlen untergeht. Wo führt das hin? Führt das nur mehr ab? Kommt eigentlich noch ein Bus? Will uns Regisseur FX Mayr, zügellos dem Sprachschabernack der Autorin folgend, an diesem Theaterabend schelmisch in die Regel- und Orientierungslosigkeit kutschieren?
Der eine oder andere Kopfmensch im Publikum will gewiss Sprache beherrschen und damit Welt verstehen, tut am Ende all dieser Sturzbäche an inbrünstigen Fantasiegebilden vielleicht aber besser daran, einfach grinsend dazusitzen und auch mal das Nichtverstehen zu akzeptieren: „Herz-Licht willkommen“ ver-rückte Welt! Selig mit Leuchtstift markiert.
„Leichter Gesang“ hatte vergangenen September in Berlin Premiere und war als Gastspiel zur Eröffnung des 9. Dramatiker|innenfestivals in Graz eingeladen. Passend zum Festivalthema „Verflechten“ beeindruckten an jenem Abend auch das DWAKS-Ensemble des Griessner-Stadls in Kooperation mit der Lebenshilfe Murau mit einem Rap über Selbstbestimmung und Miteinander und die Eröffnungsrede der taubblinden Schauspielerin Tanja Hameter: „Wir alle sind eine Theater-Familie. – Wir brauchen vielleicht alle mehr verrückte Zuversicht!“
Roswitha Ranz
(c) Bild: Wolfgang Rappel
Sieben Figuren warten auf den Bus – und verlieren die Beherrschung: nämlich über die Verständigung. Die deutsche Autorin Nele Stuhler, Absolventin des Lehrgangs FORUM TEXT von uniT Graz, fächert in ihrem Stück die vielen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Freuden und Komplikationen des (Miteinander-) Sprechens auf.
Lustvoll exerzieren Jens Koch, Natali Seelig und Caner Sunar vom Deutschen Theater und Franziska Kleinert, Anil Merickam, Sebastian Urbanski und Nele Winkler vom RambaZamba Theater (einem der renommiertesten Bühnen für inklusives Theater) ihre Satz- und Wortlisten durch, oft in rasendem Tempo. Bei diesen Wortkaskaden ist es hilfreich, die Sprachspiele und Assoziationsketten in der karg ausgestatteten Bühne (Anna Wohlgemuth) auf einer elektronischen Texttafel mitlesen zu können. Umso deutlicher treten die Figuren in ihren neonfarbenen Kleidern (Korbinian Schmidt), wie Leuchtstiftmarkierungen in grauen Textmengen, aus dem Bühnenbild hervor – freundlich, fröhlich, frotzelnd. Sprache darf Spaß machen … bis zum Pupsen.
Im Laufe des Stücks stürzt die Sprachakrobatik in die Sprach-Gefilde der Verdauung. Begriffe, Bedeutungen und Grammatik werden derart gründlich zerkaut, verdaut und neu zusammengesetzt „rausgeschissen“, dass man in Wortklumpen und nichtssagenden Buchstabenstrahlen untergeht. Wo führt das hin? Führt das nur mehr ab? Kommt eigentlich noch ein Bus? Will uns Regisseur FX Mayr, zügellos dem Sprachschabernack der Autorin folgend, an diesem Theaterabend schelmisch in die Regel- und Orientierungslosigkeit kutschieren?
Der eine oder andere Kopfmensch im Publikum will gewiss Sprache beherrschen und damit Welt verstehen, tut am Ende all dieser Sturzbäche an inbrünstigen Fantasiegebilden vielleicht aber besser daran, einfach grinsend dazusitzen und auch mal das Nichtverstehen zu akzeptieren: „Herz-Licht willkommen“ ver-rückte Welt! Selig mit Leuchtstift markiert.
„Leichter Gesang“ hatte vergangenen September in Berlin Premiere und war als Gastspiel zur Eröffnung des 9. Dramatiker|innenfestivals in Graz eingeladen. Passend zum Festivalthema „Verflechten“ beeindruckten an jenem Abend auch das DWAKS-Ensemble des Griessner-Stadls in Kooperation mit der Lebenshilfe Murau mit einem Rap über Selbstbestimmung und Miteinander und die Eröffnungsrede der taubblinden Schauspielerin Tanja Hameter: „Wir alle sind eine Theater-Familie. – Wir brauchen vielleicht alle mehr verrückte Zuversicht!“
Roswitha Ranz
(c) Bild: Wolfgang Rappel
28.05.2026
Vom kurzen Weg vom Po zu Poesie
Einfach ist sie nicht. Die Sprache und die Welt und die Sprachwelt sowieso nicht. „Leichter Gesang“ von Regisseur FX Mayr mit dem inklusiven Theaters RambaZamba lud als Eröffnungsproduktion des DramatikerInnenfestivals zum lustvollen Worttanz.
Das Festival hat sich heuer „Verflechten“ auf die Werbefahnen geschrieben, entsprechende Signale gingen von der zeremoniell anmutenden Eröffnung aus: Aktivierendes hatte das Daily Rhythms Collective im Angebot, Lebens- und Kunstbejahendes brachte das Kollektiv DWAKS vom Griessner Stadl nach Graz, der Segen regnete schließlich per Spritzpistole auf das Premierenpublikum nieder.
Danach wurde im Grazer Orpheum lustvoll mit Leben erfüllt, was Nele Stuhlers Vorlage „Leichter Gesang“ an Wortzerstückelungen und -collagen vorgibt. Mit Mut zum Übermut in Worten und in den Kostümen hangeln sich die sieben Darstellenden in Badeschlapfen und neonfarbenen Stoffkleidern durch Lebensnahes. Vom Einladen (oder ein Laden?) zum Bus (ein kurzes Auto?), von der Poesie zum Po, vom Alles zum Nichts – letztere Ausführungen zur Abwesenheit der Anwesenheit zählen zu den geistreichen Spracherforschungen, die freilich allesamt Realitätserforschungen sind
Premiere gefeiert hatte „Leichter Gesang“ im vergangenen Herbst am Deutschen Theater Berlin, dessen aktuelle Leiterin Iris Laufenberg Intendantin des Schauspielhaus Graz war und in dieser Rolle neben dem Drama Forum von uniT das DramatikerInnenfestivals begründet hatte. Hier schließt sich ein Kreis und auch auf der Bühne des Orpheums steht das Umkreisen im Mittelpunkt: Rhythmisch erarbeiteten sich die Protagonistinnen und Protagonisten unter der leichtgängigen Regie des Salzburgers FX Mayr den Sprach- und Bühnenraum, beides wird als Tabula rasa bespielt. Einzig zwei Bildschirme sind vorgegeben, die auf Deutsch und Englisch in eine Form bringen, was sich weder in Form noch Sinn pressen und schon gar nicht an sogenannte Sprachkonventionen halten will. Die Norm wird aufgelöst, Sprache ist alles, alles ist leicht.
Daniel Hadler
(c) Bild: Wolfgang Rappel
Das Festival hat sich heuer „Verflechten“ auf die Werbefahnen geschrieben, entsprechende Signale gingen von der zeremoniell anmutenden Eröffnung aus: Aktivierendes hatte das Daily Rhythms Collective im Angebot, Lebens- und Kunstbejahendes brachte das Kollektiv DWAKS vom Griessner Stadl nach Graz, der Segen regnete schließlich per Spritzpistole auf das Premierenpublikum nieder.
Danach wurde im Grazer Orpheum lustvoll mit Leben erfüllt, was Nele Stuhlers Vorlage „Leichter Gesang“ an Wortzerstückelungen und -collagen vorgibt. Mit Mut zum Übermut in Worten und in den Kostümen hangeln sich die sieben Darstellenden in Badeschlapfen und neonfarbenen Stoffkleidern durch Lebensnahes. Vom Einladen (oder ein Laden?) zum Bus (ein kurzes Auto?), von der Poesie zum Po, vom Alles zum Nichts – letztere Ausführungen zur Abwesenheit der Anwesenheit zählen zu den geistreichen Spracherforschungen, die freilich allesamt Realitätserforschungen sind
Premiere gefeiert hatte „Leichter Gesang“ im vergangenen Herbst am Deutschen Theater Berlin, dessen aktuelle Leiterin Iris Laufenberg Intendantin des Schauspielhaus Graz war und in dieser Rolle neben dem Drama Forum von uniT das DramatikerInnenfestivals begründet hatte. Hier schließt sich ein Kreis und auch auf der Bühne des Orpheums steht das Umkreisen im Mittelpunkt: Rhythmisch erarbeiteten sich die Protagonistinnen und Protagonisten unter der leichtgängigen Regie des Salzburgers FX Mayr den Sprach- und Bühnenraum, beides wird als Tabula rasa bespielt. Einzig zwei Bildschirme sind vorgegeben, die auf Deutsch und Englisch in eine Form bringen, was sich weder in Form noch Sinn pressen und schon gar nicht an sogenannte Sprachkonventionen halten will. Die Norm wird aufgelöst, Sprache ist alles, alles ist leicht.
Daniel Hadler
(c) Bild: Wolfgang Rappel